Tonalität zeigt sich zuerst an der Wortwahl
Wie entwickle ich eine eigene Tonalität?
Tonalität lässt sich an drei Achsen bestimmen: Formell oder locker, ernst oder humorvoll, sachlich oder emotional. Auf jeder dieser Achsen bezieht ein Betrieb bewusst Position. Aus diesen entsteht eine Sprache, die sich wiederholen lässt. Warum Tonalität ein Markenelement und weder vom persönlichen Geschmack oder Adressaten abhängen darf, erklären wir hier.
Tonalität entscheidet mit, wie ein Betrieb wahrgenommen wird
Sprache ist die Verpackung einer Aussage, im Marketing aber sehr viel mehr als das. Denn es entscheidet sich hie, ob ein Betrieb warm oder distanziert, ernst oder zugänglich, fachlich oder verständlich wirkt. Zwei Betriebe können dieselbe Leistung anbieten und trotzdem vollkommen unterschiedlich bei der Zielgruppe ankommen - nur weil der eine wie eine Maschine und der andere wie ein Mensch klingt. Genau deshalb gehört Tonalität zu den Markenelementen und nicht in den Bereich des persönlichen Geschmacks. Bemerkbar wird Tonalität überall dort, wo Sprache auftaucht - also auf der Website, in Angeboten, in der Rechnung oder in der automatischen E-Mail-Antwort. Wer sie nicht festlegt, überlässt sie derjenigen Person, die gerade schreibt.
Drei Achsen machen die eigene Position gut bestimmbar
Bestimmen lässt sich Tonalität auf drei Achsen. Die erste reicht von formell bis locker und betrifft Anrede, Satzbau und Höflichkeitsformeln. Es macht in der Wahrnehmung einen Unterschied, ob man ein Schreiben mit „Sehr geehrte“ oder „Hallo“ beginnt, Duzt oder Siezt. Die zweite Achse unterscheidet zwischen ernst bis humorvoll. Dabei geht es um die Schwere von Worten, die sich am Thema des Betriebes orientieren. Zuletzt ist noch zu entscheiden, wo man sich zwischen sachlich und emotional wiederfindet. Das ist eine grundlegende Stilfrage, die sich in der Regel aus dem Produkt ergibt. Muss man dazu argumentieren oder es unter Nutzenaspekten beschreiben? Eine Kanzlei hat in der Regel eine formelle, ernste und sachliche Tonalität. Eine Eisdiele hingegen, kommuniziert locker, humorvoll und emotional. Beides ist richtig, solange es zum Betrieb passt und durchgehalten wird. Wer die eigene Position auf allen drei Achsen kennt, bemerkt stilistische Brüche sofort und kann sie abstellen. Hilfreich ist, die eigene Position auf jeder Achse jeweils in einem Satz zu notieren.
Ein kurzer Leitfaden macht aus dem Bauchgefühl eine Regel
Die Tonalität eines Betriebes lässt sich in einem knappen Leitfaden ganz einfach festhalten. Hinein gehört die Anrede und Höflichkeitsformen sowie eine Liste von Wörtern, die der Betrieb nicht verwenden will. Hinzu kommen Hinweise auf typische Bilder oder Vergleiche und vor allem einige Beispieltexte, idealerweise auch im gängigen Format (Anschreiben, E-Mail-Nachricht etc.). Denn Beispiele wirken erfahrungsgemäß stärker als bloße Beschreibungen.
Angewendet wird der Leitfaden anschließend überall. Von der Website über den Newsletter bis zur Abwesenheitsnotiz: Gerade an den kleinen, unbeachteten Stellen fällt ein Bruch in der Tonalität am deutlichsten auf. Aus einer abstrakten Beschreibung wird auf diesem Weg eine Sprache, die im Alltag tatsächlich gelebt wird. Der Umfang bleibt dabei überschaubar, denn zwei Seiten reichen für die meisten Betriebe vollkommen aus. Doch er ist unentbehrlich, da ein Leitfaden den Mitarbeitenden die Anwendung erleichtert.
Tonalität ist das am stärksten unterschätzte Markenelement
Wer die eigene Sprache bewusst entwickelt und konsequent einsetzt, wird zu einer unverwechselbaren Stimme im eigenen Markt. Der erste Schritt kostet nur wenige Minuten: Drei beliebige eigene Texte nebeneinanderlegen, etwa eine Seite der Website, ein Angebot und eine Mitteilung per E-Mail. Klingen sie nach derselben Person, ist die Tonalität bereits vorhanden. Klingen sie nach drei verschiedenen, liegt die Arbeit auf dem Tisch.
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