Barrierefreiheit lohnt sich wegen ihrer Wirkung
Was bringt Barrierefreiheit, wenn die Pflicht gar nicht greift?
Drei Anpassungen hinsichtlich der Barrierefreiheit im Internet haben sich in der Praxis eindeutig bewährt: Alternativtexte für Bilder, ausreichende Kontraste mit lesbaren Schriftgrößen und eine saubere Gliederung mit echten Überschriften. Alle drei nützen weit über die eigentliche Zielgruppe hinaus. Was sich bewährt hat, was übertriebener Aufwand war und wo weiterhin echter Handlungsbedarf besteht, davon berichten wir hier.
Nicht das Gesetz, sondern die Diskussion hat gewirkt
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) richtet sich vor allem an größere Anbieter von Handel und Dienstleistungen. Viele kleine Websites fallen formal nicht darunter. Bewegt hat sich trotzdem eine Menge, weil die öffentliche Diskussion und Nachfragen aus der eigenen Kundschaft dafür gesorgt haben, dass auch kleinere Auftritte überarbeitet wurden. Der Aufwand war dabei in den meisten Fällen kleiner als befürchtet - der Nutzen aber größer als erwartet. Auffällig ist ein Muster. Wer ohnehin regelmäßig an der eigenen Seite arbeitet, hat die Anpassungen nebenbei erledigt. Wer ohne Wartung in das Thema hineingestolpert ist, hat den Aufwand vollständig auf einmal getragen und ihn deshalb als groß empfunden.
Alternativtexte, Kontraste und Überschriften sind die Gewinner
Ganz vorn stehen die Alternativtexte für Bilder. Ursprünglich als Hilfe für Vorleseprogramme gedacht, nützen sie inzwischen auch der Auffindbarkeit im Internet. Sie beschreiben, was auf einem Bild zu sehen ist und können darüber gefunden werden. An zweiter Stelle stehen ausreichende Kontraste und lesbare Schriftgrößen, die inzwischen zum Standard geworden sind. Angenehmer wird eine Seite dadurch für alle, nicht nur für einen Teil der Besuchenden. Die Zahl der sofortigen Absprünge sinkt spürbar. An dritter Stelle steht die Gliederung mit echten Überschriften statt bloß fett gesetzter Zeilen. Davon profitieren Vorleseprogramme und Suchmaschinen gleichermaßen. Zudem wird die Pflege der Seite einfacher, weil sich eine sauber gegliederte Seite auch ohne Fachkenntnisse leichter durchblicken und erweitern lässt.
Handlungsbedarf bleibt bei Dokumenten, Formularen und Videos
Manches war allerdings zu viel des Guten. Aufwendige Einstellungsdialoge, die niemand benutzt, oder Hinweise zur Barrierefreiheit, die selbst nicht zugänglich waren, gehören in die Kategorie Aufwand ohne Wirkung. Echter Handlungsbedarf besteht dagegen weiterhin an drei Stellen. Ausgerechnet dort passiert am wenigsten: Hochgeladene Dokumente ohne innere Struktur lassen sich nicht vorlesen. Formularfelder ohne Beschriftung sind für Vorleseprogramme leere Kästen. Und Videos ohne Untertitel schließen alle aus, die gerade keinen Ton hören können - was deutlich mehr Menschen betrifft als angenommen. Alle drei Punkte lassen sich ohne großen Zeitaufwand beheben. Sie fallen in der Regel nicht einmal wöchentlich an, sondern nur einmalig beim Anlegen.
Drei bis fünf kleine Eingriffe bringen den größten Teil
Barrierefreiheit lohnt sich nicht wegen einer Pflicht, sondern wegen der Wirkung. Wer die eigene Seite ehrlich durchgeht, findet in der Regel drei bis fünf Stellen, an denen ein kleiner Eingriff viel bewirken kann. Einfach mal testen: Bedienen Sie Ihre Startseite mal nur mit der Tastatur und beobachten Sie dabei, wohin der Fokus springt. Wer irgendwann nicht mehr weiterkommt, hat die erste Baustelle gefunden.
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