15. Oktober 2026
Bis zum Jahresende braucht fast jede Website eine Durchsicht
Was muss bei einer älteren Firmenwebsite bis Ende 2026 geprüft werden?
Geprüft werden müssen bis Ende 2026 vor allem drei Bereiche. Die elektronische Erreichbarkeit, weil ein Gericht funktionierende Impressumsadressen verlangt und ab Januar für viele Betriebe die E-Rechnung Pflicht wird. Die Verschlüsselung, weil Chrome vor Seiten ohne HTTPS warnt und Zertifikate immer kürzer laufen. Und die Software, weil für PHP 8.2, Joomla 5, Office 2021 und Windows Server 2016 die Updates enden oder bereits geendet haben. Ältere Auftritte sind von allen drei Bereichen am häufigsten betroffen. Die folgenden Abschnitte zeigen, was jeweils gilt.
Elektronische Erreichbarkeit wird zur Pflicht, im Impressum wie bei der Rechnung
Das Digitale-Dienste-Gesetz verlangt im Impressum eine Angabe, über die das anbietende Unternehmen schnell elektronisch erreichbar ist und unmittelbar kommuniziert. Das Kammergericht Berlin hat am 11. August 2026 rechtskräftig entschieden, dass eine E-Mail-Adresse diese Pflicht nicht erfüllt, wenn sie eingehende Nachrichten nur mit einer automatischen Antwort abweist. Häufiger als Absicht steckt dahinter eine Adresse aus der Gründungszeit oder eine Weiterleitung, die beim letzten Anbieterwechsel verloren ging. Ab dem 1. Januar 2027 müssen zudem Unternehmen, die 2026 mehr als 800.000 Euro Umsatz erzielen, Rechnungen an andere Unternehmen im Inland als E-Rechnung ausstellen. Eine E-Rechnung ist eine Rechnung in einem strukturierten Datenformat wie XRechnung oder ZUGFeRD, das Software automatisch auslesen kann. Eine PDF-Datei per E-Mail genügt dafür nicht. Ab 2028 gilt die Pflicht für alle Betriebe, Rechnungen an Privatkundschaft bleiben ausgenommen.
Chrome warnt vor unverschlüsselten Seiten, und Zertifikate laufen immer kürzer
Mit Version 154 schaltet Google im Oktober 2026 im Browser Chrome standardmäßig eine Einstellung ein, die vor dem ersten Aufruf einer öffentlichen Seite ohne HTTPS warnt. HTTPS ist die verschlüsselte Verbindung zwischen Browser und Website, erkennbar am Schloss in der Adresszeile. Die Warnung lässt sich wegklicken, sie fällt aber genau in den Moment, in dem sich jemand für oder gegen eine Anfrage entscheidet. Betroffen sind nicht nur ganze Websites, sondern auch vergessene Subdomains und alte Kampagnenseiten. Die Verschlüsselung beruht auf einem Zertifikat, dessen Laufzeit seit dem 15. März 2026 höchstens 200 Tage beträgt. Ab dem 15. März 2027 sinkt sie auf 100 Tage und bis 2029 schrittweise auf 47 Tage. Wer Zertifikate bisher einmal im Jahr von Hand erneuert hat, braucht deshalb eine automatische Verlängerung, die viele Hosting-Anbieter ohne Aufpreis einrichten.
Für Serversoftware und Büroprogramme enden die Updates rund um den Jahreswechsel
Am 31. Dezember 2026 endet der Sicherheitssupport für PHP 8.2, die Programmiersprache, auf der Systeme wie Joomla oder WordPress laufen. Die Umstellung auf PHP 8.3 oder 8.4 erfolgt meist im Kundenbereich des Hostings, vorher sollten Erweiterungen und Templates auf ihre Verträglichkeit geprüft werden. Joomla 5 erhält seit dem 13. Oktober 2026 keine Fehlerkorrekturen mehr, sondern nur noch Sicherheitsupdates - die aber auch nur noch bis zum 12. Oktober 2027. Joomla 4 wird bereits seit Herbst 2025 gar nicht mehr versorgt. Im Büro endete am selben 13. Oktober der Support für Office 2021, für Windows Server 2016 folgt er am 12. Januar 2027. Software ohne Sicherheitsupdates arbeitet zwar weiter, bekannte Lücken bleiben aber dauerhaft offen. Bei einer Website, die rund um die Uhr online erreichbar ist, werden solche Lücken gezielt und automatisiert durch Schadprogramme gesucht und ausgenutzt.
Die meisten Punkte lassen sich ohne fremde Hilfe prüfen
Keiner der Punkte verlangt einen Neubau der Website. Nötig ist zunächst eine Testnachricht an die Impressumsadresse, ein Blick in den Kundenbereich des Hostings auf PHP-Version und Zertifikatsverlängerung und ein Blick ins Backend auf die Joomla-Version. Bei der E-Rechnung hilft die Frage an Buchhaltung oder Steuerberatung, ob die eigene Software XRechnung oder ZUGFeRD erzeugen kann. Das geht ohne Agentur. Unterstützung lohnt sich erst, wenn eine Erweiterung mit neuerem PHP nicht mehr läuft oder ein Versionswechsel bei Joomla überfällig ist.
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